Das Gleis 22 ist das markante Aushängeschild vom Jugendinformations- und
-bildungszentrum (Jib). Die Einrichtung des Amtes für Kinder, Jugendliche und Familien der Stadt Münster besteht mittlerweile seit 1974. Viele ehrenamtlich Kräfte engagieren sich hier regelmäßig in den verschiedenen Partyinitiativen, aber auch in der Konzertinitiative:




wer

Eigentlich sind wir ein bunter Haufen mehr oder weniger verrückter Leute: junge, clevere, sympathische, kreative, engagierte Studenten und Designer, Journalisten und Pädagogen, Tontechniker und Küchenmeister, Plattenverkäufer und medizinisch nützliche Probanden. Allgemein schimpft man uns Musiknerds, aber das macht nichts. Ist ja auch nicht falsch: Wir lieben Konzerte. Darum veranstalten wir sie. Leidenschaftlich und professionell. Ganz nach unserem und hoffentlich auch Eurem Geschmack. Dass man damit nicht reich wird, ist klar; unsere Motivation ist der Spaß. Und die zufriedenen Gesichter vor der Bühne sind unser Lohn. Natürlich sind wir auch ein bisschen Egoisten: Generell kommt uns nur ins Haus, was wir selbst gut finden. Aber keine Angst, wir lassen uns gerne von der Qualität Deiner Lieblingsband überzeugen. Quatsch uns einfach an. Wer wir sind? Nun ja, dieser bunte Haufen eben.

was
In erster Linie veranstalten wir Konzerte, für die wir uns mächtig ins Zeug legen. Seit 1987 schon. Wir achten darauf, dass es sich um schön gemütliche Clubkonzerte handelt, die noch ohne Rowdy und Backstage-Ausweis funktionieren. Musikalisch liegt der Schwerpunkt auf Indie-Rock, Garagen-Punk, Emo-Core und Power-Pop; ab und zu gibt`s auch mal Ska. Metal und Gothic kommen uns allerdings nicht ins Haus. Bei der Auswahl schielen wir nicht auf Trends oder Hipness-Faktor (… na gut, passiert schon mal wenn die Band wirklich so richtig knallt…), sondern schauen, was uns gefällt und auch die anderen Menschen da draußen interessieren könnte. Es passiert auch schon mal, dass bis dato unentdeckte Talente kurze Zeit später die Cover diverser Musikmagazine schmücken. Bright Eyes, Interpol, Turbonegro oder Adam Green, nur so als Beispiele. Umgekehrt sind wir verdammt stolz darauf, schon so genannte Helden und erklärte Lieblinge auf die Gleis 22-Bühne gelockt zu haben. Man erinnere nur an Namen wie Mark E. Smith und sein höfliches „Sir“, „Lemonhead“ Evan Dando sowie The Posies-Frontman Ken Stringfellow mit ihren stundenlangen Performances oder Guided By Voices, die ihr allererstes Europa-Konzert überhaupt an der Hafenstraße gaben. Toll, so was. Und wir sind glücklich unbescheiden behaupten zu können, dass das Gleis 22 bei Bands, Agenturen und Gästen mittlerweile zu den besten Live-Clubs Deutschlands zählt. Auf eine mittlerweile zehnjährige Tradition kann die Record Riot-Crew zurückblicken: DJ Schmaucki und seine Crew versorgen die Szene nicht nur jeden dritten Freitag mit den besten Punk-Rock-Perlen; nein, sie holen auch gleich die coolsten Punk-Rock-Bands ins Haus. Darauf ein Bier. Daneben sind die regelmäßigen Party-Veranstaltungen ein echtes Aushängeschild was Partykultur betrifft. Allen voran die samstägliche Infectious Grooves-Sause mit Rock, Pop, Indie und Beats, die sich fernab vom Radio-Mainstream bewegt und trotzdem die Tanzfläche füllt. Zusätzlich gibt es fünf weitere monatlich stattfindende Parties; jede mit eigener Fanbase, jede mit eigenem Charme. Das Gleis 22 ist allerdings nicht nur abends geöffnet: Montags bis freitags wird im Café leckerer vegetarischer Mittagstisch für wenig Geld geboten; unter dem Stichwort „Jugend-Online“ kann werktags bis 18 Uhr kostenlos im Internet gesurft werden; und nicht zuletzt bieten die Räumlichkeiten lokalen Künstlern eine gute Möglichkeit, die eigenen Werke für einige Wochen auszustellen.

wo
Für Autofahrer, Radler und Pendler kann das Gleis 22 mit seinen drei Geh-Minuten vom Bahnhof wohl kaum zentraler liegen. Man spricht schon fast von der Achse Ku-Damm – Hafenstraße – Reeperbahn. Und zu übersehen ist es auch schwer, da das Gleis 22 Teil ist des dreistöckigen Gebäudes vom Jib (Jugendinformations und -bildungszentrum der Stadt Münster) mit seinen blauen Fensterrahmen und bunten Graffiti an der Hauswand. Aber um jeglichem Risiko von Verirrung und Orientierungslosigkeit vorzubeugen, hier noch mal die vollständige Adresse mit Anfahrtsskizze.

wie
Ein Konzert plus Support geht meist nicht über drei Stunden hinaus – für den Besucher. Der Veranstalter muss da schon ein wenig mehr Zeit mitbringen, um einen gut organisierten Ablauf zu ermöglichen. So stehen entweder Holger Behr oder Tobi Pälmke, unsere beiden spitzenmäßigen Tochtechniker mit verdammt heißen Ohren, schon am frühen Nachmittag auf der Matte, um ihre Gerätschaften bereitzustellen. Denn was den Sound angeht lassen sich die Zwei nicht lumpen. Kurze Zeit später kommt die Frühschicht herein, die mit liebevoll gefertigten Brötchen, frischem Obst und allerlei Süßem für einen angemessenen Büffet-Snack sorgt. Und der Backstage-Kühlschrank muss ja auch noch aufgefüllt werden. Zeitgleich etwa kümmert sich die Köchin um ein abwechslungsreiches und vor allem nahrhaftes (in der Regel vegetarisches) Abendessen, das von Salat und Suppe über Eintopf und Auflauf bis hin zu Kuchen und Pudding reicht. Auf Wunsch gerne vegan; und bei Fleisch-Vorzügen schüttelt auch niemand den Kopf. In der Zwischenzeit ist auch die Band eingetrudelt; nach einem kurzen Kaffee-Slack geht’s ans Ausladen, Soundcheck und gepflegte Warterei. Gegen frühen Abend, natürlich pünktlich zum Dinner, taucht der Rest der Gleis 22-Mannschaft auf, um spätestens um 20.30 Uhr an der Kasse und hinter der Theke einsatzbereit zu sein. Dann Konzert. Stunden später alles wieder abbauen. Wenn sich die Musiker danach nicht müde auf den Weg ins nahe gelegene Hotel machen, genehmigen sie sich gerne noch einen Absacker in geselliger Runde. Danach heißt es für uns fegen. Abschließen. Bis zum nächsten Mal.

warum
Musik. Musik. Musik. Und natürlich das ganze Drumherum: nette Leute zu treffen; für eine tolle Atmosphäre zu sorgen; zu beweisen, dass Club-Konzerte nach wie vor einzigartig sind. Klar, dass da eigenartige Situationen nicht ausbleiben: Musiker die nackt spielen; Bands die auf der Bühne grillen; Sänger die Blumen essen; Rockstars die in Cola-Flaschen urinieren, weil der Weg vom Backstage zur Toilette zu weit ist; sogar eine original Wrestling Show gab es schon zu sehen. Leider bleiben auch so unschöne Sachen wie interne Band-Prügeleien nicht aus. Aber davon lassen wir uns nicht beirren. Es mag visionär klingen, aber insgeheim hoffen wir die Freude an der Live-Kultur zu beleben. Und immer wieder von Neuem einen schönen Abend zu bescheren – euch, uns und den Lieblingsbands.
Text: Annette Kessen


2002 feierte das Gleis-Team „15 Jahre Konzerte"! Das kleine, aber feine Jubelheft mit weiteren Hintergrundinfos (z.b. die persönlichen Konzert-Highlights) gibt es hier zum runterladen:
gleis22-15-jahre-konzerte.pdf (366kb)


 
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